Sabine
Home
Hartmut
Helga
Jutta
Klaus S.
Klaus W.
Leonie
Ralf F.
Sabine
Sylvia H.
Till
Werner

 

Sabine Wunderlich (Kudszus) berichtet über
das letzte Schuljahr 1975/1976

Irgendwie war es seltsam. Jahre hat man darauf gewartet, dass man endlich aus der Schule kommt. Doch das letzte Schuljahr ging viel zu schnell vorbei.

Die 10. Klasse begann damit, dass wir die Abschlussfahrt nach Blankenberge vorbereiteten. Wochenlang mussten wir Referate ausarbeiten und die Ergebnisse auf diese altertümlichen Matrizen tippen oder zeichnen. Auch ein Erste-Hilfe-Kurs für alle stand auf dem Programm. Endlich der Tag der Klassenfahrt. Eine ganze Woche lang weg von zuhause - ohne Eltern in den Urlaub. Allein die Bahnfahrt versprach schon viel Spaß. Über die Klassenfahrt möchte ich hier aber nicht schreiben, denn über diese wird ja schon ausführlich auf einer anderen Seite gesprochen. Zu erwähnen ist aber, dass durch die Vorbereitungen und die Woche, die wir zusammen in Belgien verbracht haben, wir eine ganz tolle Klassengemeinschaft waren.

Zurück in Deutschland, zurück in der Schule wurde es richtig ernst. Die Zeit für Bewerbungen war gekommen. Damals war es schon schwierig einen Ausbildungsplatz zu bekommen, aber es war einfacher als heute. Ich schrieb damals über 60 Bewerbungen und bekam erst im April 1976 einen Ausbildungsvertrag.

Als ich kürzlich in meinen alten Unterlagen kramte, kam eine Mappe hervor, die noch alte ausgesuchte Hausaufgaben ab der 7. Klasse enthält. In dieser Mappe ist auch ein Deckblatt mit dem Datum 25.05.1976 und dem Titel des damaligen Aufsatzes:

"Was ich bis zu meinem 30. Lebensjahr erreichen möchte."

Ich habe mich gefreut und wollte nachlesen, aber den Aufsatz habe ich wohl nicht aufgehoben. Dennoch erinnere ich mich ganz gut an diese Hausaufgabe. Ich hatte feste Vorstellungen von meinem Leben, Heirat mit 23, das 1. Kind mit 25, das 2. mit 27. Dann mit meinem Mann eine Firma gründen, ein schönes Haus haben und die Welt bereisen.

Und so verlief mein bisheriges Leben: Bereits 1977 unternahmen Klaus und ich die erste gemeinsame Auslandreise - nach Holland. Meine Gesellenprüfung legte ich im Januar 1979 ab und im gleichen Jahr reiste ich alleine nach Jamaika. Mit 21 Verlobung, mit 23 Hochzeit und mit 24 haben wir unser erstes Haus gekauft. Die "Firmengründung" kam als ich 41 Jahre alt war. Mein Arbeitgeber musste Insolvenz anmelden und bei Bewerbungen stellte sich heraus, dass ich für den Markt zu alt bin. Zitat: "Eine Dame in Ihrem Alter ist nicht mehr leistungsfähig genug." Das hat gesessen. Also machte ich mich unfreiwillig aus der Not heraus als Sekretärin selbstständig. Aber "Firma" würde ich das nicht nennen. Im Laufe der letzten 30 Jahre haben wir Europa gesehen (Belgien, England, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Österreich, Portugal, Schweiz, Spanien) und auch ein bisschen von der Welt. Wir waren auf Aruba, auf Hawaii (Oahu und Maui), auf Jamaika (diesmal zusammen) und in Kanada. Ich habe noch weitere Reisen nach Ungarn, Polen, Russland und Litauen alleine unternommen. Jetzt ist nur noch ein Punkt aus meinem Schulaufsatz offen: Nein, wir haben keine Kinder.

Allerdings hätte dieser Aufsatz heute eine glatte 6 gegeben, weil ich zu sehr vom eigentlichen Thema abgewichen bin. Also, zurück zur Schule.

Bis zur letzten Klasse hatten wir auch Sportunterricht, der fast nur aus diversen "Ballspielen" und Gymnastik bestand. Für mich ziemlich langweilig, mein Hobby war der Schwimmsport. Und in dieser Sportart gab es ein Schwimmer-Team an der Schule. Wir qualifizierten uns sogar für "Jugend trainiert für Olympia". Es sollte ein Wettkampf in Berlin stattfinden. Nur teilnehmen konnte das Mädchen-Team dann doch nicht, weil eine Schulkameradin (Parallelklasse) die Staffel mit der Begründung: "Wir haben doch keine Chance" platzen ließ. Was haben die Schwimmerinnen und die Lehrer auf dieses Mädel eingeredet, die den Olympia-Gedanken wohl nicht kannte.

Von unserer Klasse waren Thomas Saper, Werner Seiferlein und ich in der Schwimm-Mannschaft.
(Bild vergrößern? rechte Maustaste und "Grafik anzeigen")

Das letzte Schuljahr ging wie im Flug vorbei. Wir haben uns auch nicht mehr so viel sagen lassen. Hausaufgaben machten wir grundsätzlich erst in der Pause vor der jeweiligen Stunde und da das Rauchen auf dem Schulgelände verboten war, standen wir oft vor dem Schultor. Deshalb bekamen wir ständig Klassenbucheinträge für "unerlaubtes Verlassen des Schulgeländes". Schade, dass unser Klassenbuch schon vernichtet wurde. Da Französisch bei uns damals ein sog. Wahlpflichtfach war, brauchten einige unserer Klassenkameraden nicht mehr am Französisch-Unterricht teilnehmen. Wenn durch die Französisch-Note die Versetzung gefährdet war, hatte man die Wahl "ich steige aus" oder "ich quäle mich weiter". Ansonsten hatte man die "Pflicht" am Unterricht teilzunehmen. Ich hatte keine gute Note in "Franze", meine Versetzung war aber auch nicht gefährdet, deshalb traf mich die Pflicht. Die vom Franze-Unterricht freigestellten Schüler genossen ihre Freistunden im "Bilka". Und ich fand die Freistunden schöner, als den Unterricht. Deshalb war auch ich oft im Bilka. Aber zu Klassenarbeiten war ich immer da, so sah dann auch meine Note aus. Das sind eben die Dummheiten der Jugend.

Ich erinnere mich noch, dass in der 10. Klasse bei uns sehr viel Unterricht ausgefallen ist, auch der Chemie-Unterricht. Die einzige Chemie-Arbeit in diesem Schuljahr verhaute ich mit einer glatten 5, vielleicht war es auch eine 6. Nicht gerade rosige Aussichten, wenn man bedenkt, dass diese Note in meinem Abschlusszeugnis hätte stehen sollen. Aber es gab eine Lösung für dieses Problem. Ich habe vergessen wie es dazu kam, aber ich brauchte nicht mehr in den Chemie-Unterricht und ersparte mir somit eine 5 oder 6 im Abschlusszeugnis. Das letzte Schuljahr war auch das Jahr, in dem wir auf unsere Zukunft vorbereitet wurden. So kam einmal ein Mitarbeiter vom Arbeitsamt in die Klasse. Ihm konnten und sollten wir alle möglichen Fragen stellen. Aber ob dieser Besuch wirklich eine Hilfe war, ich weiß es nicht. Im Deutsch-Unterricht ging es eigentlich nur noch darum, wie wir eine gescheite Bewerbung schreiben, um endlich die ersehnte Ausbildungsstelle zu bekommen. Was aber gut war, denn woher hätten wir das wissen sollen.

Dann kam der letzte Schultag. Rauchen und Trinken war an der Schule strengstens verboten. Dennoch vereinbarten wir alle, dass jeder eine Flasche Sekt und Zigaretten mitbringt. Jeder der sein Zeugnis in der Hand hatte, öffnete die Flasche und zündete sich eine Zigarette an. Das Klassenzimmer war ordentlich verqualmt. Aber Frau Hamers konnte nichts mehr tun - wir hatten unseren Abschluss ja in der Hand. Plötzlich setzte Axel noch einen drauf. Er holte sein Mofa und brachte es ins Klassenzimmer im 2. Stock. Dort ließ er den Motor an und fuhr breit grinsend durch das Klassenzimmer. Durch den Lärm hatte die Lehrerin aus der Nachbarklasse die Trenntür aufgeschlossen und zu uns hereingesehen. Diese Chance nutzte Axel, um auch in das andere Klassenzimmer zu fahren und von dort weiter in die nächsten Zimmer. Bei Rektor Paukert war dann Schluss, denn der war ziemlich sauer. Am gleichen oder am nächsten Tag hatten wir dann unsere Abschlussfete, wofür meine Eltern ihren Garten zur Verfügung gestellt hatten. Wenn meine Eltern geahnt hätten, was auf sie zukommt, sie hätten es nie erlaubt. Ich habe mir wochenlang die Meckereien und Beschwerden der Nachbarn anhören müssen. Irgendwie flogen von ganz alleine übrig gebliebene Grillreste über den Zaun und plötzlich brannten unsere Schulbücher in einem wunderschönen Lagerfeuer.

Es war schön, ich erinnere mich gerne an die Schulzeit. Vielleicht sollten wir jetzt mal einen Aufsatz schreiben "Was habe ich die letzten 30 Jahre erlebt?".

Home | Hartmut | Helga | Jutta | Klaus S. | Klaus W. | Leonie | Ralf F. | Sabine | Sylvia H. | Till | Werner

Stand: 11.02.07